Evangelos Papadopoulos – MATERIA PRIMA, 8. Juli – 28. August 2016

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Der Düsseldorfer Bildhauer Evangelos Papdopoulos entwickelt eine raumbezogene Plastik in der Tiefgarage Köln. Der Künstler ist innerhalb seines Werks auf der Suche nach der proportionalen und ästhetischen Balance zwischen Vorhandenem und Entstehendem. In seinen Installationen verwendet er die Materialien Holz, Stahl und Gipskarton, die er im Wechselspiel mit unbekannten Kräfteeinwirkungen in den Raum hinein wachsen lässt.

MATERIA PRIMA bezeichnet einen Urzustand der Dinge, was erstmals bei Aristoteles erwähnt wurde. Dinge seien demnach beschaffen durch hyle-Materia und morphe-Form. Die erste, noch ungeformte Materie heisst zu lat. Materia Prima und bezeichnet die noch unbestimmten, nicht determinierten Dinge im Gegensatz zur Materia Secunda, der geformten Materie. Besonders die Alchemisten adaptierten diese Bezeichnung und machten den Begriff populär.

Mit Stahl und Holz konstruiert Papadopoulos eine Plastik, die sich den spezifischen Bedingungen ihrer Umgebung unterordnet, ohne dabei im Vorfeld einem theoretischen Konzept zu unterliegen. An die Holzkonstruktion befestigt er Gipskartonplatten. Dabei üben Wege, die Raumhöhe und seine Seitenverhältnisse gleichermaßen einen Einfluß auf das Entstehen der Arbeit wie das Verhalten von Licht und Schatten im Tagesverlauf und die jeweils unterschiedlichen Blickachsen auf das Werk.

Die Arbeit besticht durch ihre fragmentartig gebrochene Oberfläche, da der Künstler die Gipskartonplatten, teilweise unter Gewalteinwirkung, an der Unterkonstruktion verschraubt. Wölbungen und Vorsprünge bewirken so Knicke und Risse im Material und erzeugen eine polygon-amorphe Gestalt, die, trotz ihrer Materialität aus klassischen Baustoffen, Assoziaitonen zu organisch gewachsenen Strukturen weckt.

Papadopoulos regt mit dem Titel Gedanken zum Entstehungsprozess seiner Werke an. Ganz im Sinne der Beschreibungen in: „Das Unbekannte in der Kunst“, von Künstler und Kunsttheoretiker Willi Baumeister, scheint Papadopoulos beim Beginn seiner Raumeingriffe alle persönlichen Vorkenntnisse und Gewissheiten abzulegen, um dem Verständnis von Originalität und Schöpfung im Kunstwerk möglichst nahe zu kommen:

„Der originale Künstler verläßt das Bekannte und das Können. Er stößt bis zum Nullpunkt vor. (…) Der Künstler originaler Art sieht eigentlich nicht. Da er als Vorderster mit jedem Werk ins Unbekannte stößt, kann er nicht voraussagen, auf was er stoßen wird. (…) Er produziert ohne Lehrgut, ohne Erfahrung, ohne Nachahmung. Nur auf diese Weise findet er bisher Unbekanntes, Originales.“ (Willi Baumeister, Das Unbekannte in der Kunst, 1960, S. 171ff)

Papadopoulos ist 1974 in Athen geboren und studierte bis 2005 bei Prof. Mechthild Frisch an der Kunstakademie Münster. Er arbeitet in Düsseldorf und wird vertreten durch die Galerie SchmidtContemporary.

 

Evangelos Papadopoulos – MATERIA PRIMA, 8. Juli – 28. August 2016
Eröffnung: Freitag, 8. Juli, ab 19.00 Uhr
Finissage: Sonntag, 28. August, mit den Feedback Gents, 20.00 Uhr (www.tiefgarage.org/the-feedback-gents/)